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Hypoglykämie (Unterzuckerung) und Hypoglykämiewahrnehmungsstörung

Von einer Hypoglykämie spricht man bei Blutzuckerwerten < 60 mg/dl mit entsprechenden Symptomen (Zittern, Schwitzen, …) oder bei Werten < 50 mg/dl ohne typische Beschwerden.
Individuell werden Unterzuckerungen vom Diabetiker bei ganz unterschiedlichen Blutzuckerwerten wahrgenommen. Dies hängt zum einen von der Ausgangssituation ab (bei einem hohen Blutzuckerausgangsniveau werden evtl. schon normale Werte als Unterzuckerung empfunden), zum anderen von der Zeitdauer der Entwicklung einer Unterzuckerung (eine schnelle Entwicklung wird früher wahrgenommen). Ferner spielt die Aufmerksamkeit/Konzentration gegenüber den Unterzuckerungssymptomen eine entscheidende Rolle – so können bei einer anstrengenden körperlichen Arbeit (z. B. intensive Gartenarbeit) die Blutzuckerwerte sehr weit absinken ohne dass entsprechende Symptome wahrgenommen werden.

Die Symptome einer Unterzuckerung werden durch 2 unterschiedliche Mechanismen geprägt:

In der 1. Phase bei Absinken der BZ-Werte < ca. 70 mg/dl (individuell aber sehr unterschiedlich) wird die hormonelle Gegenregulation aktiviert. Diese besteht vor allem in der verstärkten Freisetzung der Stresshormone (Adrenalin, Noradrenalin) aber auch der Hormone Kortison, Glukagon und Wachstumshormon, die den BZ-Spiegel wieder anheben. Gleichzeitig lösen insbesondere die Stresshormone, Symptome wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Hitzegefühl durch Stimulation des Herzens, der Muskulatur und der Schweißdrüsen aus.

In der 2. Unterzuckerungsphase führt ein weiteres Absinken der Blutzuckerwerte (z. B. < 50 mg/dl) zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Symptomen wie Unkonzentriertheit, Verlangsamung, Änderung des Verhaltens (aggressiv, albern), Seh-, Hör-, Sprachstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Die Behandlung besteht in einer raschen Zufuhr von „Zucker“ in Form von z. B. Traubenzucker, Cola oder Fruchtsäften.

Von einer Hypoglykämiewahrnehmungsstörung spricht man, wenn bei einer Unterzuckerung nicht mehr die typischen Symptome der hormonellen Gegenregulation auftreten und die Unterzuckerung deshalb vom Betroffenen nicht adäquat wahrgenommen wird. Zu Grunde liegt meist ein länger bestehender Diabetes mit gehäuft abgelaufenen Unterzuckerungen.

Durch konsequente Vermeidung der Unterzuckerungen z. B. durch Anhebung des BZ-Zielwertes kann die Wahrnehmungsstörung wieder gebessert werden.
Ferner stehen spezifische Schulungsprogramme zur Verfügung, die Verhaltensabläufe überprüfen und modifizieren. Im Krankenhaus Sachsenhausen wird das Programm „Hypos“ angeboten.




 
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