Ohne Verzicht gegen Diabetes – Genussvolle Ernährung spielt die Schlüsselrolle
Bei der Vorbeugung und Behandlung von krankhaftem Übergewicht und Typ-2-Diabetes spielt die richtige Ernährung die Schlüsselrolle. Gesundes Essen und Bewegung können Medikamente sogar überflüssig machen und neun von zehn Diabetes-Neuerkrankungen vermeiden. Am Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt setzen Ärzte und Ernährungsberater darauf, bei den Patienten die Lust am Genuss zu wecken und so für eine nachhaltige Verhaltensänderung zu motivieren.
„Der einzige Weg, die Verbreitung von Typ-2-Diabetes und Übergewicht zu stoppen, ist unser Verhalten zu ändern. Wir müssen besser auf unser Gewicht achten und uns mehr bewegen“, sagt Professor Dr. Kristian Rett. Der Chefarzt für Endokrinologie und Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen setzt in Sachen Ernährung und Stoffwechselerkrankungen einen neuen Schwerpunkt: „Die meisten Menschen denken bei diabetesgerechter Ernährung doch an Verzicht. Das ist so nicht richtig. Wir zeigen unseren Patienten und den Angehörigen, dass Diabetes mit Genuss behandelt beziehungsweise vermieden werden kann.“
Ernährung spielt Schlüsselrolle bei Therapie und Vorbeugung
Ärzte, Ernährungsberater und Psychologen arbeiten Hand in Hand, um die Patienten für nachhaltige Verhaltensänderungen und Ernährungskonzepte zu motivieren. In Workshops und Vorträgen, oder als Experten in Ratgeber-Sendungen, werben Rett und seine Mitarbeiter auch außerhalb des Krankenhauses für gesunde Ernährung und diabetesvorsorgendes Verhalten. „Denn neun von zehn Diabetes-Neuerkrankungen sind alleine durch etwas Bewegung und eine kalorien- und fettreduzierte Mischkost mit hohem Anteil an Gemüse, Obst und pflanzlichen Fetten zu vermeiden – nahezu ohne Verzicht, bei vollem Genuss ohne Reue“, so der Professor. Viele Studien belegen, dass eine diabetesgerechte Ernährung den Verbrauch an Medikamenten deutlich senken oder Medikamente überflüssig machen kann. Regelmäßige Bewegung verstärkt diesen Effekt noch wesentlich. „Man kann sogar sagen, ohne Verhaltensänderung wird auch eine medikamentöse Therapie nicht zum Ziel führen“, so Professor Rett. Umso mehr komme es darauf an, für eine Verhaltensänderung zu werben. „Und das geht mit einem Fokus auf Genuss leichter, als wenn Verzicht gepredigt wird.“ Die Zeiten, in denen Diabetes-Patienten in enge diätische Korsetts gezwungen wurden, seien längst vorbei. Selbst Zucker ist nicht mehr tabu („Es kommt halt auf die Menge an“). Auch Alkohol ist in Maßen erlaubt: „Vorzugsweise aber ein Glas trockenen Wein oder Apfelwein anstatt des Bieres“, so Rett. Eine moderne Diabeteskost sei auch für gesunde Menschen eine reichhaltige, leckere und vielfältige Alternative, die Übergewicht und Arteriosklerose vorbeuge. Und Vorsorge tut not.
„Zwillings-Epidemie von Diabetes und Übergewicht ist längst da“
Diabetes und Übergewicht verbreiten sich nahezu ungebremst. „Die alljährlichen Warnungen vor einer Zwillings-Epidemie von Typ-2-Diabetes und Übergewicht sind überholt: Sie ist längst da!“ sagt Rett. Etwa 7,5 Millionen Menschen mit Diabetes zählt der aktuelle „Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2011“. Das entspricht 12 Prozent der Erwachsenen zwischen 20 und 79. Nach diesen Angaben erkranken Jahr für Jahr etwa 300.000 Menschen neu an Diabetes. Deutschland ist damit in Europa der Spitzenreiter. Und alle Experten sind sich einig: Die Zahl wird weiter steigen. Mittlerweile ist beinahe jeder zweite Deutsche übergewichtig und hat damit ein stark erhöhtes Risiko, einen Diabetes zu entwickeln. Denn Übergewicht gilt als Risikofaktor Nummer eins bei Typ-2-Diabetes. Fast 80 Prozent der Erkrankten sind übergewichtig.
Schwerwiegende Folgen von Diabetes
Diabetes fördert und beschleunigt Arteriosklerose – und das erhöht das Risiko für eine Vielzahl von lebensgefährlichen Erkrankungen. Dreiviertel aller Diabetes-Patienten haben einen erhöhten Blutdruck und ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Diabeteskranke Frauen bekommen sechsmal so oft einen Infarkt wie Frauen ohne Diabetes (bei denen die Infarktquote insgesamt seit Jahren rückläufig ist). Bei Männern hingegen verschlechtert sich die Situation fortlaufend: Hier ist die Infarktgefahr absolut gesehen wesentlich höher, bei Männern mit Diabetes ist sie fast auf das Vierfache erhöht und der Trend zeigt trotz aller Vorsorge- und Aufklärungs-Aktivitäten weiter nach oben. Das Schlaganfallrisiko ist fast fünf (Männer) beziehungsweise acht Mal (Frauen) so groß. Drei von vier dieser Herzinfarkte oder Schlaganfälle sind tödlich. Etwa 8000 Patienten müssen jährlich wegen diabetesbedingter chronischer Nierenschäden an die Dialyse (Blutwäsche). Jahr für Jahr werden etwa 30.000 Füße amputiert, weil Diabetes die versorgenden Gefäße zu stark geschädigt hat. Jeder Achte leidet an Augenproblemen, etwa 4000 erblinden. Und über 1 Million männliche Diabetespatienten haben Potenzstörungen. Neben diesem Leid für die Patienten entstehen gewaltige Kosten für das Gesundheits- und das Gemeinwesen: Experten gehen von bis zu 40 Milliarden Euro aus – Tendenz steigend. Vier Fünftel davon entfallen auf die Behandlung der Folgeerkrankungen. „Wir haben allen Grund, Diabetes und Übergewicht immer wieder in das öffentliche Bewusstsein zu rücken“, stellt Professor Rett fest und wünscht sich, dass diese sogenannten Volkskrankheiten nicht nur am Welt-Diabetes-Tag für Schlagzeilen sorgen. „Zumal es so einfach ist, Diabetes und seinen ernsten Folgen mit bewusster Ernährung und Genuss vorzubeugen.“
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Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch. . . .mehr »